Umbruch bei den Chemcats

Umbruch bei den Chemcats

Das Chemnitzer Zweitligateam ist mit großen Ambitionen in die vergangene Saison gestartet, hat es aber nicht in die Playoffs geschafft. Nun wird ein neues Team aufgebaut. Mit einem alten Bekannten als Chef.

Es klang nach einem Plan, was die Verantwortlichen der Chemcats da im vergangenen Sommer verkündet haben. Nach einem ambitionierten Plan. Innerhalb von drei Jahren sollte sich die erste Mannschaft des Frauen- und Mädchenbasketballvereins in der Spitze der 2. Bundesliga etabliert haben, um den Aufstieg ins deutsche Oberhaus in Angriff nehmen zu können. Dazu sollte die zweite Mannschaft als Kaderschmiede in die 2. Bundesliga aufsteigen. Doch die Realität sieht anders aus: Nach einer Saison voller Höhen und Tiefen musste man bei den Chemcats in diesem Frühjahr feststellen: Die Topteams der 2. Liga sind weit entfernt. Gegen die vier Playoff-Teilnehmer aus Leverkusen, Göttingen, Osnabrück und Bochum haben die Chemnitzerinnen keinen einzigen Sieg geholt, am Ende verpassten sie als Tabellensechste den Einzug in die K.o.-Runde. 

„Diese Liga wird immer teurer“

„Wir sind mit unseren Zielen damals in die Offensive gegangen. Auch in der Hoffnung, dass wir dadurch einige Sponsoren für unser Projekt begeistern können“, sagt Thomas Seltner. „Dass wir überhaupt in der 2. Bundesliga spielen können, wird von Jahr zu Jahr teurer. Dann auch noch oben angreifen zu wollen, würde noch viel mehr Geld kosten.“ Seltner weiß, wovon er spricht. Er ist seit 20 Jahren bei den Chemcats, betreute und betreut etliche Nachwuchsteams und war Cheftrainer der Damenmannschaft, nachdem 2019 entschieden wurde, diese aus Kostengründen aus der 1. Bundesliga abzumelden. Mitte der Saison 24/25 Jahren er sich dann etwas zurück, übergab den Cheftrainerposten an Mika Scheidemann. Nun aber übernimmt Seltner wieder selbst.

Mika Scheidemann sucht neue Herausforderung

Wie der Verein jetzt mitteilte, trennt man sich einvernehmlich vom bisherigen Cheftrainer. „Wir verlieren mit Mika Scheidemann eine engagierte und geschätzte Persönlichkeit, die sich mit viel Herzblut für die Chemcats eingesetzt hat. Für seine Arbeit und seinen Beitrag möchten wir uns herzlich bedanken. Wir wünschen ihm für alles, was nun kommt, nur das Beste“, schreibt Chemcats-Präsident Marco Weidlich. Scheidemann selbst schreibt im Vereins-Statement auf Instagram: „Ich bin dankbar für die drei Jahre bei den Chemcats, für viele Begegnungen, Erfahrungen und gemeinsame Erlebnisse. Der Verein und die Menschen hier werden immer einen besonderen Platz für mich behalten. Gleichzeitig freue ich mich darauf, neue Wege zu gehen und neue Aufgaben anzunehmen.“

Wichtige Spielerinnen sind nicht mehr da

Auf seinen Nachfolger, der auch sein Vorgänger war, warten nun schwere Aufgaben. Denn es gilt, einen Umbruch im Kader zu schaffen. Mit Jessica Kluge beendet die langjährige Kapitänin ihre Karriere. Dazu geht mit Erin Stroberg die Unterschiedsspielerin. Die US-Amerikanerin war zwei Jahre lang in Chemnitz aktiv und machte in der abgelaufenen Saison 17 Punkte im Schnitt. Damit war sie in dieser Statistik ligaweit auf Rang 4, dicht gefolgt von Mannschaftskameradin Lilly Küppers. Wie es mit der frisch gebackenen 3×3-Nationalspielerin weitergeht, ist ebenso offen wir die Zukunft von Lucile Peroche. Sie könnte nach 13 Jahren als absolute Führungsspielerin aus beruflichen Gründen kürzertreten. 

Eigener Nachwuchs soll den Kern des Teams bilden

„Wir haben derzeit einige Spielerinnen zum Probetraining da, werden uns in diesem Sommer komplett neu aufstellen“, sagt Thomas Seltner. Bevor er sich aber wirklich um die Frauenmannschaft kümmern kann, steht im Juni noch die Qualifikation mit der U-17-Mannschaft für die Nachwuchs-Bundesliga an. „Es ist viel Arbeit gerade“, sagt der 43-Jährige, der mit diesem Stress aber schon Erfahrung hat. „Wir sind schon auf einem guten Weg, die Abgänge zu ersetzen“, sagt er. Auch eine Importspielerin aus den USA sei für den neuen Kader geplant. „Den Kern werden aber die Talente aus unserem eigenen Nachwuchs bilden. Diesen Weg gehen wir konsequent weiter“, sagt der neue und alte Cheftrainer.

Quelle: Freie Presse

Bild: A. Trienitz